austauschBAR

Wie wäre es Vierundzwanzig Stunden einen Platz in einem anderen Leben einzunehmen? Ich bin heute für dich hier und tue alles, so als würdest du es selber tun. Dafür schaue ich mir genau an wer du bist, was dich ausmacht, wann du deine Zähne putzt, aus welcher Kaffeetasse du am liebsten trinkst, ob du den Schlüssel an den Hacken hängst oder direkt neben dem Telefon ablegst, wie du deine Freunde begrüßt, deinen Freund behandelst und welche Rituale du täglich durchführst. Ich trage für dich deine Unterwäsche, benutze deine Zahnbürste, erledige deine Aufgaben und Termine, pflege deine Freundschaften und küsse deinen Freund? Ich tue alles so, wie du es eigentlich tun würdest und du tust es für mich.

Tausch-Regeln:

Du bist und bleibst immer du selbst.
Du testest Grenzen aus.
Du versuchst nichts zu verändern.
Du darfst Niemanden verletzten.
Du gehst so weit wie möglich.
Der Tausch ist ein Experiment.

2015 tauschten sechs unbekannte Menschen für Vierundzwanzig-Stunden ihre Leben: Äußere Dinge wie z.b. Kleidung, Schmuck, Make-Up, Bank und Kreditkarten, sowie spezifische Handlungen wie z.b. Rituale, Alltagsaktivitäten, die Beziehung zu Freunden usw. wurden für Vierundzwanzig-Stunden in die Hände einer anderen Person abgegeben und selbst für Jemanden übernommen. Die Tauschpaare bereiteten sich auf ihren Tauschtag ausführlich vor, in dem sie sich kennenlernten und gegenseitig nach Hause einluden, um sich gegenseitig zu zeigen, was sie für die Tauscherfahrung wissen müssen. Im Laufe dieses Vorbereitungs-Prozesses wurde klar, wo die eigenen Grenzen liegen und wie weit man gehen kann und will. Daraufhin entschieden sich drei Person bewusst gegen den Tausch.

Aus den Tausch- und Nicht-Tausch-Erfahrungen entstand die interaktive Installation aus-TAUSCHbar. Sechs Film-Projektionen zeigten den Moment des (Kleider-)Tausches, in dem die eigene Identität abgelegt und die fremde Identität angenommen wird. Die Performerinnen verhandelten das Thema ihrer eigenen Austauschbarkeit mit textlichen, visuellen und auditiven Mitteln auf der Bühne. Gedanken und Fragen, die sich die Tauschpaare stellten, waren Inhalt der Aufführung. Dabei stand die Konfrontation mit Identitätsfragen im Fokus. Was sind meine Gewohnheiten? Was macht mich aus und unterscheidet mich von dir? Was macht mich besonders? Die Zuschauenden konnten am innerhalb dieser Produktion das Experiment Tausch in einem interaktiven Teil gedanklich durchführen und durch einen Perspektivenwechsel auf die eigene Identität blicken.